Eine Woche bevor die Reise nach Venetien oder wie der Italiener sagt, Regione del Veneto losging, regnete es in Strömen.
Auch in Venedig!
Da sank natürlich die Stimmung. Dazu 1,40 m Hochwasser auf dem Markusplatz, oder San Marco hieße also, Venedig erkunden in Gummistiefeln (hat ja auch mal was), oder flüchten von einem Palast ins nächste Museum. Schluchzzz… Ständig eine Schirmspitze im Auge……aua, super. So war verständlicherweise unsere Vorstellung….aber alles kam anders.

Dieses mal hat mich meine Travel Freundin Anna begleitet. Geplant haben wir einen Roadtrip in die italienische Lagunenstadt. Mit ihrem Cabrio machten wir uns auf die Piste. Wir düsten ca 10 Stunden durch die Nacht und landeten am nächsten Morgen in Bella Italia. Als es hell wird winken wir Mailand, Verona und Bologna mal kurz zu, während wir daran vorbei brausen.

Tronchetto Parking ist unser erstes Ziel. Eine künstlich angelegte und vorgelagerte Insel vor Venedig. In Tronchetto ergibt sich die günstigste Möglichkeit, im Parkhaus sein Auto abzustellen. Denn Venedig ist Auto frei. Die Parkpreise belaufen sich bei 21 Euro pro angefangenem Tag. Das Gepäck bzw. Koffer transportieren wir persönlich an einen ganz in der Nähe gelegenen Ticket Shop. Hier organisieren wir eine 4 Tages Karte für den Wasserbus (40€). Der Bus auf dem Wasser bringt uns die kompletten 4 Tage zu allen Highlights, die auf unserer Travel Liste stehen. Es stehen die Linien 1 und 2 zur Verfügung.
Zum Transport des Gepäcks ist uns aber sofort klar geworden, praktisch packen ist angesagt. (Keine riesigen Koffer) und auf alle Fälle nicht zu schwer oder zu sperrig. Denn alles muss durch enge , holprige Gassen und überquerende Kanal-Brücken selbst geschleppt werden. Man glaubt es kaum, Brücken hat Venedig nicht wenig, so in etwa 400 Stück.

So waren wir beeindruckt vom geheimnisvollen Venedig……….


Wenn sich der Abend wie ein seidiger Schleier über Venedig sinkt, legt sich eine tiefe Ruhe über das Wasser und entspannt sich. Dann locken die Lichter der Stadt und der Paläste zum Verführen. Venedig besitzt eine unvergleichliche Atmosphäre und ist durch ihre einzigartige Architektur zum Vorbild der Baustile, von Gotik bis zum Barock ist hier alles vertreten. Kein Platz kann sich mit der Piazza San Marco messen.
Die Dimensionen von Dogenpalast, Markusdom, Uhrenturm usw, die ganze Schönheit bildet eine architektonische Symphonie. Das Wahrzeichen der Lagune ist ein Löwe, der Flügel besitzt. Dieser steht für Mut und Königlichkeit und oft das Symbol für den Evangelisten Markus.

EINMALIG! Wer einmal Venedig besucht hat, den wird es immer dort hin ziehen.
Die Häuser wirken morbid und mystisch und man vermutet hinter jeder Hausecke eine venezianische Maske die versucht uns zu erschrecken.

Hier meine Höhepunkte von Venedig der Lagunenperle, die ihr unbedingt besuchen solltet! Zum Wetter gab es nicht mehr viel zu sagen… wenn Engel reisen, dann scheint bekanntlich die Sonne und so war es auch. Und der Regen löste sich von ganz alleine auf.

Wo in Venedig wohnen?

Buongiorno begrüßt uns Leonardo, ein der beiden sehr gutaussehenden Venezianer. Von dieser Gattung Hotelchef, darf man gleich zwei bewundern. Die beiden sind die Besitzer des Hotels >Locanda Sant‘ Agostin. Es ist sehr früh am morgen, als wir die kleine Hotellobby betreten. Vorstellbar, ein kleiner Frühstücksraum, Hotelrezeption und small talk Oase in einem und das ganze im Barockstil. Absolut sehenswert.
Das >Locanda Sant‘ Agostin< ist ein 3 Star Hotel, befindet sich in San Polo und ist dadurch sehr zentral, um fußläufig in kürzester Zeit alles prima zu erreichen. Pro Nacht/mit Frühstück zahlten wir ca 60 €. Tolle Empfehlung einer guten Freundin. Es gibt in Venedig verschiedene Quartiere. Airbnb Unterkünfte, Hotels sowie Pensionen um nur wenige zu nennen. Unbedingt machen: Eine Bleibe auf Venedig-Insel zu buchen, um die Lagune abends und sehr früh morgens ganz ohne Touristen genießen zu dürfen.

Erste Orientierung in Venedig – Canale Grande

Der Hafen von Venedig war schon in alten Zeiten bedeutsam für das Wirtschaftsleben der Stadt. Der Seehafen, mit seiner gut geplanten Position dient heute als wichtigster Umschlagsplatz für Containergüter und Kreuzfahrtschiffe. Meiner persönlichen Meinung nach wirken diese >schwimmenden Städte< hier sehr störend und passen überhaupt nicht in das romantische Bild Venedigs. Mit direkter Zufahrt vom Hafen, nutzt man den Canale Grande ebenfalls als Zentrale, um Restaurants, Hotels, Geschäfte schnellstmöglich und mehrmals täglich zu beliefern. Es ist faszinierend, dieses totale Wirrwarr mit überfüllten Wasserbussen, private Taxiboote, schwimmende Obst-und Gemüsemärkte, die romantischsten Gondeln und ihre Gondolieries, Krankentransporte und die Feuerwehr zu beobachten. Beste Sicht von der Rialto Brücke.

Wo bitte gibts die höchsten Aussichtspunkte?

Am nächsten Tag standen die höchsten Türme auf dem Programm. Bei lauen 20 Grad Temperaturen, genießen wir fast wie im Sommer, die angenehme Wärme während der Schifffahrt. Es ist spannend, mit dem Wasserbus zur gegenüberliegenden Isla de San Giorgio Maggiore zu fahren. Von der Haltestelle LA ROMA sind es 9 Statione bis SAN GIORGIO MAGGIORE. Ein Aufzug bringt Dich nach oben zum Glockenturm und Du hast einen genialen Ausblick auf die Lagune, den Yachthafen, einen Irrgarten und natürlich auf den gegenüberliegenden San Marco, Dogenpalast und den Uhrenturm. Direkt unten am Turm kannst Du noch einen Espressi im Cafe ROSA SALVA genießen.

Ein ebenfalls sehr sehenswerter Aussichtspunkt liegt im Centro und nennt sich FONDACHO DEI TEDECHI. Ein neu entstandenes Nobel-Einkaufszentrum. Luxury pur! Im obersten Stockwerk kommst Du auf eine Aussichtsplattform und blickst über die Dächerwelt von Venedig. Hier hat jeder Venezianer seine eigene Dachterasse nach seinen Richtlinien geplant und gestaltet.

Der Uhrenturm auf dem San Marco ist gleichermaßen begehrt. Allerdings ist der Ansturm hier so groß, dass wir nach mehreren Anläufen, den Rückzug angetreten haben.

San Michele die Friedhofsinsel

Manchmal bekommt man durch eigene Schusseligkeit, Bemerkenswertes geboten. Total verquatscht stiegen wir in einen völlig falschen Wasserbus und fuhren bei Sundowner-Stimmung zur Friedhofsinsel San Michele. Geplant war es für einen anderen Tag. Nun ja, was wir dann erlebten, Grabmale und Wände in den schönsten Abendrot- Schattierungen. Mit Worten war das Lichtspiel kaum zu beschreiben.
San Michele ist eine Insel in der Lagune zwischen Venedig und Murano. Wenn man über das Gräbermeer blickt, entdeckt man sofort, dass der Friedhof mit Platzmangel zu kämpfen hat. Die Verstorbenen werden zunächst normal beerdigt. Nach mehreren Jahren exhumiert und in hohe Blöcke gestapelt.
Beerdigt sind hier die Komponisten E. Wolf-Ferrari, Luigi Nono und Igor Stravinsky. Von denen mir aber nur letzterer bekannt ist. Eine Fussballegende, der Trainer Helenio Herrera hat hier ebenfalls seine letzte Ruhestätte bekommen.

Bunte Motive, na nur in Burano!

Eine heimelige Insel mit knapp 5000 Einwohnern. Burano liegt etwa nur 9 km von Venedig entfernt und wirkt doch völlig anders. Hier gibt es keine prachtvollen Paläste, stattdessen einfache Fischerhäuser, die aussehen, als wären sie in bunte Farbeimer gefallen. Der Fischfang war hier früher die haupt Einnahmequelle. Bis die Frauen der Insel das alltägliche Handwerk zur hohen Kunst des Spitzen-klöppelns veredelten. Heute findest Du mehr Spitzendeckchen als Fischernetze. Es macht Spaß in den schmalen Gässchen herum zu flanieren und die sehr interessante Wäsche, insbesondere Bettwäsche zu bestaunen, die als Schmuck die Häuser dekorieren. Burano besitzt auch einen Kirchturm, aber einen schiefen. Bei der Frage eines Souvenir Händlers äußerte sich dieser, es ist keine Laune der Natur, sondern ein Konstruktionsfehler. Aber die Statik hat nicht darunter gelitten und ist stabil bis heute.

Attraktive Kunst und Nostalgie in Venedig

In Venedig ist es sehr interessant, einen Besuch in der PEGGY GUGGENHEIM COLLECTION abzustatten.
Peggy Guggenheim war eine bemerkenswerte Frau, mit einem leicht verrückten Leben. Eine Kunstliebhaberin der abstrakten, surrealistischen sowie der zeitgenössischen Kunst. Sie war die Tochter eines exzentrischen, amerikanischen Industriellen. Beim Untergag der Titanic am 2.April 1912 kam er allerdings leider ums Leben. Ihre erste Pariser Sammlung an Gemälden und Skulpturen war der Beginn ihrer Leidenschaft, die heute in Venedig beheimatet ist. Den Palazzo VENIER DEI LEONI erwarb sie Ende der Vierziger Jahre, den sie als Wohnung wie auch Museum nutzte. Peggy Guggenheim ist im Palastgarten ihres Domizils mit ihren 14 Babies, wie sie ihre Hunde nannte beerdigt.
Der Eintritt zur Collection und zum Palazzogarten kostet: 10 Euro

Charakteristisch für Venedig sind hier viele Stilepochen maßgebend. Die Baustile der Paläste und der Türme in der Lagunenstadt entstanden in der frühen Romanik. Darüber hinaus beeinflusste die Gotische Epoche die nachhaltigste Architektur. Man kann dies sehr gut an den Spitzbögen zur Einrahmung der Fenster erkennen. Typisch hierfür steht der Dogenpalast. Die Renaissance hatte es gegenüber anderen Epochen am schwersten Fuß zu fassen. Man hielt an der Gotik fest. Daher konnte der späte Barock sich in Venedig nur noch für streng geplante, symmetrische Parkanlagen durchsetzen. Also eine untergeordnete Verspieltheit.

Die Gondeln und ihre Gondolieries

In Dorsodurio kannst Du noch ein kleines Schmuckstück bewundern. Eine kleine und eine der letzten Gondel Werften von Venedig. Sie nennt sich SAN TROVASO und ist eine der letzten Squeri der Lagunenstadt. Hier werden noch Gondeln gebaut und repariert. Die klassische Gondel ist 10 Meter lang und 1,5 Meter breit und kostet mittlerweile 20.000 Euro. Interessant hierbei ist auch, dass die Bauweise leicht asymmetrisch ist, um der einseitig geruderten Gondel einen Rechtsdrall zu verleihen. Leider gleiten in der heutigen Zeit, nur noch 500 Gondeln durch die Kanäle der Lagunenstadt.
Die Preise der Gondelfahrten durch die Gondolieries belaufen sich auf 80 Euro pro Fahrt. Belegung bis 6 Personen. Dauert ca 35 Min. Wir haben es vorgezogen, nicht mit einer Gondel zu fahren um stattdessen das Geld für ein leckeres Dishes in den idyllischen Osterias anzulegen .
Auch andere Bootstypen, die hier extrem wichtig für Transporte, zB Taxi, Frischelieferung usw. werden hier repariert. Auf den ersten Eindruck hin, wirkt die Gondelwerft wie eine alte Schreinerei oder eine Berghütte. Die Werft ist hier sehr berühmt. Charakteristisch und sehr auffallend ist die verwinkelte Architektur der Squeri.

Die zwei leckersten Osterias……oh yessssss!

Wenn du mittags den kleinen Hunger verspürst, kannst du ihn in Venedig hervorragend stillen. IL PRANZO wie die Italiener sagen.
Wir haben zwei sehr schöne Osterias mit den köstlichsten Weinen gefunden. Beide liegen fußläufig sehr central.
OSTERIA Ae FORCOE‚ entzückt schon beim Ersten Anblick mit ihren rotweiß karierten Vorhängen. Das lädt uns ein für einen typischen Lagunensnack. Cicchettis nennt man die Schnittchen in der Auslage der Frischetheke, die einem das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. Von Polpette di Tonno ( gefüllte Thunfischbällchen), oder Hackfleischbällchen die auf geröstetem Weißbrot serviert werden, fritiertes Gemüse und nicht zu vergessen, den besten Shrimps Cocktail der mit Polenta deinen Geschmack abrundet. Eine weitere Leckerei sind gefüllte Tramezzinos. Ein Weißbrot sozusagen ohne Rinde, wird gefüllt mit Schinken, Thunfischcreme, oder italienischem Käse und wird zu einem Dreieck zusammengefaltet. Lecker! Du kannst die Ciccettis kalt oder warm genießen. Ein Glas Wein (ombra de vin), oder der Klassiker Spritz als Aperitif dazu ergibt ein Dolce Vita in bester Laune.

Eine weitere Weinbar LA BOTTIGLIA ist auch nicht zu verachten. Dieses Schmuckstückchen direkt am Kanal gelegen, wird von sehr motivierten Studenten geführt. Hier gibt es Local street food und den wohl leckersten Seranoschinken. Unsere piatto misto war bestückt mit italienischen Köslichkeiten die herrlich dufteten und natürlich schmeckten. Dekoriert wie Weihnachtskugeln, hängen die riesigen Schinken hier von der Decke. Draussen an Bar-Tischen bei leckerem Lugana und einem blutroten Valpollicella, kommt man hier in nettes Gequatsche. Und wiederum andere holen ihr Weinchen drinnen und schlürfen es chillend auf der Mauer. Ein echt cooles Leben…!

Auf jeder Reise die ich mache, gehört ein >early bird< Morgen dazu. Ich erkunde die noch leeren Gassen und finde es sehr interessant zu entdecken wie eine Stadt aufwacht, wie sie duftet, den Himmel zu beobachten und vielleicht einen tollen Sonnenaufgang zu erhaschen. Die Strassenkehrer werden aktiv, in den Cafes und Restaurants wird alles vorbereitet, Tassen klappern und es duftet nach frischem Kaffee und wer es mag.....ich schon, ein Besuch zum Fischmarkt. Hier duftet es, klar schon etwas streng nach allen Fischsorten, die in der adriatischen See zu finden sind. Octopusse, Hummer, Scampis, Jakobsmuscheln und und und! Kisten voller Eis werden transportiert, in die Theken gehievt und dazwischen Kraftausdrücke in Italo entgegengeschmettert. Ich mag dieses Eintauchen in eine andere Welt.

Ein sehr hilfreicher Tipp in Venedig, um sich nicht ständig zu verlaufen, denn das passiert ganz schön oft, sich nach den Nummern der jeweiligen Häusern zu orientieren. Damit ist es gar kein Problem, auch in Dunkelheit, seine Unterkunft ausfindig zu machen<

Sundown Abenteuer in der Lagunenstadt

Wenn Du Glück hast, dann kannst Du im Herbst in Venedig auch sehr betörende Sonnenuntergänge erleben. Ein paar besonders schöne kannst Du auf einem Boot erhaschen. Ein schöner Ausklang….und lässt Dich träumen!

INFOBOX:

Direktflüge aus Deutschland werden von den Airlines Lufthansa, Air Berlin, easy jet, german wings, eurowings und Ryanair durchgeführt.

Zielflughafen ist Marco Polo und die Direktflugzeit nach Venedig beträgt vom Flughafen Ffm 1 Std. und 15 Minuten.
Die Preise variieren sehr stark, von 33 Euro- bis hin zu 175 Euro, oder 200 Euro. Buchungsmöglichkeiten unter Expedia, swoodoo, fluege.de, skyscanner, oder direkt bei allen Airlines.

Transfer vom Airport erfolgt am schnellsten mit einem Wassertaxi, oder einem Sammeltaxi. Dies ist allerdings auch die teuerste Variante. Rechnen muss man für die Fahrtkosten für 1-6 Personen und einfacher Fahrt 110 Euro.
eine weitere Möglichkeit , ein AliLaguna zu nehmen. Diese >gelben< Boote unverkennbar, fahren vom Flugplatz alle wichtigsten Stellen in Venedig an. Markusplatz, Lido, Murano, Arsenale. Ein Ticket pro Person kostet 15 Euro für die einfache Fahrt. Mit dem Bus weiterzufahren, empfielt sich ebenso. Direkt vor dem Airport stehen die blauen Busse als Direkt- Linie bereit. Bei Anreise mit dem PKW stehen 3 Parkgaragen zur Verfügung. Wir entschieden uns für Tronchetto, die günstigste und unkomplizierteste Parksituation. Kosten pro angefangenem Tag 21 Euro.
Von da weiter mit dem Wasserbus (Vaporetto) Linie 1 oder 2. Zeitkarten für die Dauer der eigenen Reise werden ebenfalls angeboten. Unser Ticket über 4 Tage belief sich auf 40 Euro.

Wissenswertes über Museen und Ausstellungen gibt es hier.

Öffnungszeiten und Tickets im Peggy Guggenheim Collechtion hier nachschauen.

Infos über den Fischmarkt in Venedig

Ausflüge nach Murano und Burano dann bitte hier klicken